Krisen­kommunikation: Grundlagen, Phasen und Konzept

Ratgeber mit Checkliste für Kommunikationsverantwortliche und Projektleitende

Ob eine Organisation gestärkt oder geschwächt aus einer Krise hervorgeht, hängt massgeblich von ihrer Kommunikation ab. Dieser Ratgeber erklärt, was Krisenkommunikation ist, warum sie im Krisenmanagement entscheidend ist, und beschreibt die vier Phasen von der Vorsorge bis zur Nachbereitung einer Krise. Er zeigt zudem, was ein vollständiges Krisenkommunikationskonzept enthält – inklusive einer Checkliste zum Download.

Was ist Krisenkommunikation?

Was ist eine Krise?

  • Ereignisgetriebene Krisen entstehen durch ein reales Ereignis mit konkreter Gefahr: Naturereignisse, Unfälle, technisches oder menschliches Versagen, strategische Fehlentscheide oder kriminelle Handlungen.
  • Wahrnehmungsgetriebene Krisen entstehen nicht durch das Ereignis selbst, sondern durch den Umgang damit. Wenn das Krisenmanagement einer Organisation von den Stakeholdern als unzureichend, intransparent oder widersprüchlich wahrgenommen wird, kann dies die eigentliche Krise erst auslösen oder massiv verschärfen.

Ein unerwartetes Ereignis selbst ist oft noch keine Krise – die entscheidende Frage ist, wie eine Organisation damit umgeht.

Die vier Phasen der Krisenkommunikation

Die vier Phasen der Krisenkommunikation: Vorbereitung, Früherkennung, Krisenbewältigung und Nachbereitung.

Kommunikationsverhalten:

Medien und Kanäle:

  • Welche Massnahmen haben sich bewährt – und warum?
  • Welche Massnahmen haben nicht funktioniert – und was war der Grund?
  • Wie hat sich die Situation im Verlauf der Krise verändert?
  • Wie haben die wichtigsten Stakeholder die Krisenkommunikation wahrgenommen?
  • Was muss im Krisenkommunikationskonzept angepasst werden?

Ohne Vorbereitung in ruhigen Zeiten drohen Überraschungen in der Krise.

Was gehört in ein Krisenkommunikations­konzept?

1. Ausgangslage

  • Auftrag: Wofür ist das Konzept bestimmt und in welchem Kontext gilt es?
  • Situationsanalyse: Welche Risiken bestehen im Geschäfts- oder Projektumfeld?
  • Issue Monitoring: Welche Themen und Entwicklungen werden systematisch beobachtet?

2. Ziele der Krisenkommunikation

  • Stakeholder informieren und orientieren
  • Zur Beruhigung der Situation beitragen
  • Gerüchten und Fehlinformationen zuvorkommen
  • Reputationsschäden begrenzen
  • Persönlichkeitsrechte von Betroffenen und Opfern schützen

3. Verantwortungsbereiche

  • Krisenmanager:in: Wer trägt die Gesamtverantwortung?
  • Krisenstab: Wer gehört dazu und welche Rolle hat jedes Mitglied?
  • Mediensprecher:in: Wer kommuniziert nach aussen?

4. Zielgruppen und Informationsreihenfolge

  • Interne Zielgruppen: Mitarbeitende, Führungsebene, Verwaltungsrat
  • Externe Zielgruppen: Behörden, Kund:innen, Medien, Öffentlichkeit
  • Informationsreihenfolge: Wer informiert wen in welcher Reihenfolge? Beispiel: Direktor:in → Krisenstab → Kommunikationsverantwortliche:r → Mediensprecher:in → Geschäftsleitung → Verwaltungsrat → Mitarbeitende → Behörden → Kund:innen → Medien

5. Abläufe und Entscheidungskompetenzen

  • Wer hat Entscheidungskompetenz in der Krise?
  • Wer erhält wann, wie und welche Informationen?
  • Mit wem werden Kommunikationsmittel abgestimmt?
  • Wer bedient eingehende Medienanfragen und Telefonanrufe?
  • Wer beantwortet Online-Anfragen und Social-Media-Kommentare?
  • Wer aktualisiert die Website?
  • Wer bedient die internen Kommunikationskanäle?

6. Kommunikationsmittel und Massnahmen

  • Website: Aktualisierung, Dark Site, FAQ
  • Medienarbeit: Medienmitteilung, Medienkonferenz, Hintergrundgespräche
  • Social Media: Monitoring, Reaktion, eigene Beiträge
  • Hotline: Einrichtung, Besetzung, Skript
  • Interne Kanäle: Intranet, E-Mail, persönliche Information

7. Adressverzeichnis

  • Kontaktliste mit Mobilnummern aller relevanten Personen und Stellen: Krisenstab, Mediensprecher:in, Behörden, Fachstellen, Blaulichtorganisationen, wichtigste Medien

Autor

Philipp Metzler ist Mit-Gründer und Partner bei C-Factor. Einst als Journalist gestartet, verfügt er über rund 25 Jahre Erfahrung in der Kommunikations­beratung. Er hat die Entwicklung von der klassischen Kommunikations­agentur mit PR-Fokus zur Spezialistin für Content Marketing, Employer Branding und Projekt­kommunikation geprägt. Als Leiter Beratung ist er Sparring Partner für Kund:innen, das Beratungsteam sowie das Kreativnetzwerk der Agentur.

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