Infografik erstellen: 4-Schritte-Anleitung mit Beispielen
Infografiken vermitteln komplexe Zusammenhänge schneller als reiner Text – vorausgesetzt, sie sind richtig gemacht. Oft scheitern Infografiken nicht an der Gestaltung, sondern daran, dass Botschaft, Struktur und Verbreitung nicht aufeinander abgestimmt sind. Diese Anleitung zeigt Ihnen in vier Schritten, wie Sie eine Infografik entwickeln, die Ihre Zielgruppe erreicht und über mehrere Jahre hinweg wirkt.
Das Wichtigste in Kürze
- Was ist eine Infografik? Eine Infografik ist eine Darstellungsform, die Informationen und Daten durch eine Kombination aus Text, Diagrammen, Bildern und Icons visuell wiedergibt und so einen schnell erfassbaren Überblick über ein Thema liefert.
- Warum Infografiken? Unser Gehirn verarbeitet Bilder bis zu 60’000-mal schneller als Text (Sammer/Heppel, Visual Storytelling). Infografiken eignen sich für Websites, Präsentationen, Newsletter und Social Media und behalten oft über mehrere Jahre hinweg ihre Relevanz.
- Vorgehensweise: vier Schritte zur wirkungsvollen Infografik. Eine erfolgreiche Infografik entsteht durch einen strukturierten Prozess – von der Datenrecherche bis zur gezielten Verbreitung.
- Schritt 1: Fakten recherchieren. Die Basis jeder Infografik sind verlässliche und überprüfbare Daten. Die Geschichte der Grafik ergibt sich aus diesen Daten – nicht umgekehrt.
- Schritt 2: Geschichte entwickeln. Eine Infografik trägt genau eine Botschaft. Wer zu viele Informationen einbaut, verwässert die Kernaussage. Reduzieren und gliedern Sie die Daten daher so lange, bis eine logische Struktur entsteht.
- Schritt 3: Visualisierung finden. Das Design dient der Botschaft, nicht umgekehrt. Die Wahl der Darstellungsform – Diagramm, Zeitleiste, Schaubild oder Hierarchiediagramm – richtet sich nach der Datengrundlage. Die Infografik muss auch ohne Kontext selbsterklärend sein.
- Schritt 4: Infografik verbreiten. Gezielte Verbreitung schlägt maximale Reichweite. Die Ausspielung richtet sich nach der Customer Journey der Zielgruppe – kanalspezifisch, phasengerecht und mit gezieltem Seeding bei relevanten Multiplikatoren.
Was ist eine Infografik?
Eine Infografik ist eine Darstellungsform, die Informationen und Daten durch eine Kombination aus Text, Diagrammen, Bildern und Icons visuell wiedergibt. Unser Gehirn verarbeitet visuelle Informationen bis zu 60’000-mal schneller als Text, wie Petra Sammer und Ulrike Heppel in ihrem Buch «Visual Storytelling» zeigen. Im Unterschied zu einem reinen Diagramm, das Daten abbildet, oder zu einer Illustration, die einen Sachverhalt zeigt, verbindet eine Infografik beides: Sie visualisiert Daten und erklärt den Zusammenhang dahinter. Das Ergebnis ist eine eigenständige Informationseinheit, die ohne zusätzlichen Kontext verständlich ist.
Fünf Vorteile von Infografiken
- Komplexe Sachverhalte vereinfachen: Infografiken machen komplexe Themen und nüchterne Daten durch ihre visuelle Darstellung schnell erfassbar und einprägsam.
- Visuelle Informationen besser behalten: Was wir visuell wahrnehmen, bleibt länger im Gedächtnis als rein textliche Informationen.
- Reichweite durch Teilbarkeit: Gut gemachte Infografiken werden auf Social-Media-Kanälen aktiv geteilt und erhöhen so die organische Reichweite.
- Langlebigkeit als Content-Format: Infografiken behalten ihre Relevanz oft über mehrere Jahre – deutlich länger als die meisten anderen Content-Formate.
- Kanalübergreifender Einsatz: Infografiken eignen sich für Websites, Präsentationen, Newsletter, Social Media und Print – ein Format, das auf vielen Kanälen funktioniert.
So erstellen Sie eine wirkungsvolle Infografik
Eine wirkungsvolle Infografik entsteht nicht durch Gestaltung allein, sondern durch einen strukturierten Prozess. Die folgenden vier Schritte bauen aufeinander auf – von der Datenrecherche bis hin zur gezielten Verbreitung.
1) Fakten recherchieren
Bevor Sie mit der Datenrecherche für Ihre Infografik beginnen, sollten Sie die folgenden Punkte klären:
- Zielgruppe: Wen wollen Sie mit der Infografik ansprechen? Welches Vorwissen bringt diese Zielgruppe mit?
- Botschaft: Welche Botschaft soll die Infografik vermitteln?
- Gewünschte Handlung: Welche Handlung soll die Infografik auslösen?
Diese Fragen bestimmen, welche Daten relevant sind und wie die Geschichte der Infografik erzählt werden muss.
Die Basis jeder Infografik sind Daten – seriös, nachvollziehbar, überprüfbar und möglichst langlebig. Zwei Aufgaben strukturieren diese Phase:
- Daten recherchieren: Recherchieren Sie relevante Inhalte sowie aktuelle und glaubwürdige Daten und Statistiken zum Thema. Die Geschichte der Infografik ergibt sich aus diesen Daten – nicht umgekehrt. Nutzen Sie dazu beispielsweise Google Trends, Exploding Topics oder opendata.swiss des Bundesamts für Statistik.
- Inspiration suchen: Analysieren Sie bestehende Infografiken zu Ihrem Thema. Qualitätsmedien wie der Tagesanzeiger, die NZZ oder die New York Times sammeln ihre visuellen Arbeiten auf einer Seite. Die umgekehrte Bildsuche von Google hilft dabei, ähnliche Grafiken zu finden. Fragen Sie sich anschliessend, was diese Beispiele gemeinsam haben und was davon auf Ihr Thema übertragbar ist.
2) Geschichte entwickeln
Eine Infografik kann nur eine Botschaft klar transportieren, nicht mehrere. Wer zu viele Informationen in eine Infografik packt, verwässert die Kernaussage. Die Zielgruppe verliert den Überblick und wendet sich anderen Inhalten zu. Formulieren Sie deshalb zuerst eine einzige, klar verständliche Botschaft, bevor Sie an die Visualisierung denken. Reduzieren und gliedern Sie die gesammelten Daten so lange, bis sich eine logische und schlüssige Struktur ergibt. Manchmal zeigt sich dabei, dass zusätzliche Daten fehlen. Dann lohnt sich eine zweite Recherche.
Externes Feedback ist bei der Entwicklung der Infografik-Botschaft notwendig, nicht optional. Wer sich intensiv in ein Thema eingearbeitet hat, verliert schnell den Blick dafür, was ohne Vorwissen verständlich ist. Aussenstehende zeigen, ob die Botschaft der Infografik ohne Erklärung funktioniert. Ein zuverlässiges Warnsignal: Sie beginnen im Feedback-Gespräch, die Grafik mündlich zu erläutern oder zusätzlichen Text hinzuzufügen. Das bedeutet, dass die Geschichte noch nicht fertig ist.
Erst wenn Botschaft und Struktur einer Infografik stehen, beginnt die Visualisierung. Die Geschichte der Infografik muss vor dem Design vollständig sein – nicht umgekehrt. Was in dieser Phase noch unklar ist, lässt sich durch visuelle Gestaltung nicht retten, sondern allenfalls verdecken.



3) Visualisierung finden
Das Design einer Infografik erfüllt eine Funktion: Es soll die Botschaft bestmöglich unterstützen. Ästhetik ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Mittel. Je nach Datengrundlage eignen sich unterschiedliche Darstellungsformen:
- Diagramme für umfangreiches, quantitatives Datenmaterial
- Flussdiagramme für Prozesse mit mehreren Teilschritten
- Zeitleisten für zeitliche Abläufe
- Schaubilder für die Visualisierung von Sachverhalten und Zusammenhängen
- Hierarchiediagramme für Beziehungen zwischen Objekten oder Ebenen




Eine Infografik muss selbsterklärend sein. Wird sie in Social Media geteilt oder aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst, fehlt jede Begleitung durch Text oder Erklärung. Das Gesamtpaket aus Grafik, Textelementen und Icons muss also ohne Vorwissen funktionieren. Titel sollten die Kernbotschaft in wenigen Worten transportieren. Auch hier gilt: Feedback von Aussenstehenden zeigt, ob die Infografik ohne Erläuterung verständlich ist.
Eine Infografik wird auf verschiedenen Geräten und in unterschiedlichen Kontexten betrachtet: mobil, am Desktop, in Präsentationen oder in gedruckten Unterlagen. Erstellen Sie die Grafik deshalb von Anfang an in den Formaten, die Ihre Zielgruppe tatsächlich nutzt. Eine Infografik, die auf dem Desktop funktioniert, auf dem Smartphone aber nicht lesbar ist, verfehlt den Grossteil ihrer Wirkung.
4) Infografik verbreiten
Eine gezielte Verbreitung einer Infografik erzielt die maximale Reichweite. Eine Infografik, die an möglichst viele Menschen ausgespielt wird, erreicht nicht automatisch die richtige Zielgruppe. Die Zielgruppeninformationen aus der Recherchephase, also wie die Zielgruppe tickt, wo sie sich informiert und wer sie beeinflusst, sind die Grundlage für die Verbreitungsstrategie. Das Ziel ist nicht Streuung, sondern Präzision.
Die Customer Journey bestimmt, wann und wo die Infografik ausgespielt wird. Denn dieselbe Infografik wirkt unterschiedlich, je nachdem, ob die Zielgruppe ein Thema gerade entdeckt oder bereits eine Entscheidung vorbereitet. Richten Sie die Ausspielung daher an der Phase aus, in der sich Ihre Zielgruppe befindet, und nicht an der Phase, in der Sie kommunizieren möchten.
Die Wirkung einer Infografik hängt davon ab, wie gezielt sie ausgespielt wird. Vier Massnahmen erhöhen die Treffsicherheit:
- Kanalspezifische Formatanpassung: Eine Infografik für LinkedIn hat andere Formatanforderungen als eine für eine Website oder eine Präsentation. Erstellen Sie kanalspezifische Versionen, statt ein Format überall einzusetzen.
- Seeding bei Multiplikatoren: Identifizieren Sie Personen oder Publikationen, die Ihre Zielgruppe bereits erreichen, wie beispielsweise Branchenmedien, Newsletter, Fachblogs oder relevante Social-Media-Accounts. Eine gezielte Anfrage zur Übernahme oder Verlinkung erhöht die Reichweite ohne Streuverluste.
- Einbettung in bestehende Formate: Infografiken funktionieren selten als isolierter Beitrag. Eingebettet in einen Blogartikel, eine E-Mail-Kampagne oder eine Präsentation entfalten sie ihre Wirkung im richtigen Kontext.
- Wiederverwendung über die Zeit: Eine langlebige Infografik muss nicht einmal veröffentlicht werden. Planen Sie Wiederveröffentlichungen zu relevanten Anlässen wie Jahrestagen, aktuellen Ereignissen oder saisonalen Themen, die zur Infografik passen.
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Autor
Andy Dreckmann ist Content-Marketing- und SEO-/GEO-Profi mit knapp 20 Jahren Erfahrung auf Unternehmens- und Agenturseite. Als Senior Kommunikationsberater bei C-Factor analysiert er Kundenbedürfnisse und Keywords, entwirft Strategien, jongliert mit Worten und navigiert seine Kunden durch die digitalen Gewässer. Mit einem Ziel: Content, der Mehrwert schafft.
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